Die öffentlichen Foren von “Anne Will” bis “Maybrit Illner” legen zwar oft den Finger in die Wunde, doch immer öfter halten sie ihn vorher in den Wind. So koordinieren die Meinungsmacher eine Abfolge von Krisenhypes, deren Zuschauer am Ende der launigen Debatten selten klüger sind als zuvor. Der Ablauf ist bekannt. “Spiegel” oder “Bild-Zeitung” generieren ein Titelthema, die großen Talkshows steigen ein und zum Schluss füttert das TV-Feuilleton von “Kulturzeit” bis “Zapp” die Intellektuellen mit einer Art Meta-Kommentar: dem ironisch gebrochenen Bericht zum Bericht. Zurück bleibt Beliebigkeit. Im Ergebnis wird die freie Presse durch ihre gesellschaftliche Folgenlosigkeit mehr und mehr zur Alibi-Veranstaltung.


